6 Merkmale für eine gesunde Tragehilfe

"Gibt es eigentlich Merkmale , woran ich eine gute Tragehilfe erkenne?" 

 

 

Auch wenn es keine ultimative Empfehlung geben kann, gibt es durchaus einige Details, an denen man sich orientieren kann: 

 

1) Bitte aufrecht tragen!

Liegesäcke, Tragesäcke, etc. sind passé! Nur aufrecht  getragen können wir sicher Sorge tragen, dass unser Kind in der Tragehilfe genügend Sauerstoff bekommt! Die Lunge kann sich aufrecht besser entfalten als liegend zusammengesackt in einem Tuch. Auch für die Hüftentwicklung ist die aufrechte Position die optimale.

 

 

2) Gesicht zum Tragenden

In der Regel sollte man sein Kind wirklich nur zu sich orientiert tragen. Es gibt einige wenige Ausnahmen, bei denen manchen Babys diese Position zuviel Nähe bedeutet - aber das ist selten!!

Neugeborene können die Reize der Umwelt noch nicht in dem Umfang verarbeiten - die Sichtweite eines Neugeborenen beträgt zwischen 20 und 30cm! Das Kind sollte sich also schön ankuscheln können, am besten nah beim Herzschlag von Mutter oder Vater, wenn ihm alles zuviel wird. 
Zweitens ist der Rücken ein wichtiges Indiz, wie rum Kinder getragen werden wollen: er ist rund! Der kindliche Rücken möchte sich runden und nicht ins Hohlkreuz gedrückt werden! Also ob vorne, hinten oder Seite - Bitte kein "face-out"!

 

 

3) Der Steg sollte stufenlos verstellbar sein

Der Steg ist der Teil Stoff, worauf euer Kind sitzt. Optimalerweise sollte der Stoff von Kniekehle zu Kniekehle reichen, also die Oberschenkel gut abstützen.

 

Stell dir vor, du sitzt auf einer typischen Spielplatz-Wippe. Du weißt schon, die Spielgeräte, wo spätestens nach 5 Minuten dein Hintern so dermaßen wehtut, weil die Beine lose herunterbaumeln.

Gut, meine Beine sind ein paar Kilos schwerer als die eines Babys, aber dennoch sind die Oberschenkel schon ein ordentlicher Brocken Gewicht, der gerne komplett gestützt werden möchte.

 

Da so ein kleines Baby ja die Angewohnheit hat, ständig zu wachsen, sollte auch der Steg mitwachsend sein - sprich: verstellbar sein! Einige Tragehilfen auf dem Markt haben Kordeln zum verstellen, Klettsysteme oder auch Adapter, um die Stegbreite zu verändern.

  

Ein anatomischer Aspekt, der hier nicht unerwähnt bleiben sollte, ist der Effekt der Spreizung sowie der Anhockung der Beine (die Anhock-Spreiz-Haltung) auf die Hüftgelenke.

 

Da die Hüfte bei Neugeborenen noch nicht verknöchert ist und sich dafür auch das gesamte erste Lebensjahr (und darüber hinaus) Zeit nimmt, ist in eben diesem Zeitraum eine gute Haltung zur optimalen Verknöcherung wichtig.

 

Hierfür ist neben dem richtigen Winkel auch regelmäßiger Druck wichtig, um eine optimale (gesunde) Reibung von Oberschenkelkopf und Hüftpfanne zu garantieren. Bleibt der Druck aus (bspw. durch vieles Liegen oder herunterbaumelnde Beine beim Tragen), besteht ein größeres Risiko von Reifeverzögerungen der Hüftverknöcherung.

 

4) Der Stoff sollte fest sein

Tragehilfen bestehen aus den unterschiedlichsten Materialien: es gibt Hartschalen, weiche Netzgewebe, elastische Stoffe oder eher feste Stoffe. Um den Rücken eines Babys gut stützen zu können, haben sich hier die fest gewebten Tücher als am geeignetsten herausgestellt. "Gute Tragehilfen" bestehen daher meist aus Tragetüchern, die die Stützwirkung geeigneter Webarten nutzen.

Webart und Material bitte nicht verwechseln - das Garn darf gerne aus Naturmaterialien bestehen, also Baumwolle, Seide, Wolle, Tencel, Leinen, Hanf...

 

 

5) Rückenrundung sollte gewährleistet sein

Der Rücken eines Neugeborenen ist im aufrechten Zustand noch komplett gerundet. Die Rückenmuskulatur links und recht der Wirbelsäule hat noch keine Kraft, die Wirbelkörper auseinander zu halten. Ein gesundes Baby lernt innerhalb des ersten Lebensjahres, seine Wirbelsäule nach und nach aufzurichten.

 

Bis es soweit ist, dass ein Baby sitzen oder gar stehen und laufen kann, ist eine adäquate Stützung des Rückens wichtig. Der Rücken sollte sich runden können, aber nicht zusammensinken (siehe Stoffe), denn darunter würden Atmung und Verdauung leiden.

 

Die Rundung des Rückens variiert übrigens nach Alter des Kindes und ob es gerade wach ist oder schläft - auch hier wieder der Vergleich zur Erwachsenenwelt:

Wenn du auf meinem Rücken einschlafen würdest, wäre dein Rücken genauso wacklig und müsste abgestützt werden wie der eines Babys. Ansonsten kippst du zur Seite oder schrumpfst zusammen. Kannst du dann noch gut atmen? Eher unangenehm, oder?

 

 

6) Der Kopf sollte gut gestützt sein

Solange dein Baby noch keine volle Kopfkontrolle hat (mit 2-3 Monaten), sollte das Rückenteil mindestens bis zum Nacken, besser noch Ohransatz gehen. Manche Babys akzeptieren keinen Stoff auf Kopfhöhe - in diesen Fällen kommen die Eltern meistens im Wachzustand ganz ohne Stützung aus.

 

 

Fazit:

Eine Tragehilfe, die den aufrechten Sitz garantiert, aus festem Stoff ist, die Oberschenkel gut abstützt und dazu noch den Rücken und Nacken fest umschließt, ist grundsätzlich gut geeignet, dein Kind zu tragen!

Die Frage ist jetzt nur noch: Ist sie auch DIR bequem? :)

 

 

Das Tragenetzwerk hat hier auch noch einmal eine gute Checkliste für Tragehilfen ausgearbeitet:

 

http://www.tragenetzwerk.de/index.php/tragen-2/98-tragehilfen/149-merkmale-einer-empfehlenswerten-tragehilfe

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