Ist mein Baby ein Tragebaby oder ein Kinderwagenbaby?

Neulich war ich mit meinen Kindern auf einem kleinen Sommerfest mit verschiedenen anderen Familien. Ich erzähle immer gerne und begeistert von meiner Arbeit, wenn ich gefragt werde.

Oft kommt es vor, dass mir Frauen interessiert zuhören, aber dann ziemlich trocken sagen "Ja, leider wollte meine Tochter nicht getragen werden, sie war eben ein Kinderwagenkind!" - oder so ähnlich...
Das Gespräch verlor sich dann relativ schnell, da diese Aussage quasi der Endpunkt des Interesses darstellt.

 

Variationen solcher Sätze gibt es viele...
"Ach, vielleicht ist mein Baby einfach kein Tragebaby!" höre ich ebenso oft bei Beratungen, wenn es nicht gleich funktioniert.


Gibt es sowas wie eine Einteilung in Tragebabys oder Kinderwagenbabys?

Kurze und klare Antwort: NEIN.

Machen wir es einfach kurz und reden nicht lang drumherum: Jedes Baby ist ein Tragebaby. Punkt.

 

Jedes Elternteil kennt es!
Das Baby weint, wir nehmen es hoch und TADAA... das Baby beruhigt sich. Manchmal nicht sofort, aber das Prinzip funktioniert schon eeeecht oft, als dass es noch Zufall sein könnte. 

"Kontaktweinen" nennt sich das - Das Baby weint, bis es Körperkontakt spürt. Körperkontakt beruhigt und setzt Entspannungshormone frei.

Weitere Zeichen, dass Menschenkinder Traglinge sind:

 

- Das Anziehen der Beine, wenn man es hochnimmt (Anhock-Spreiz-Haltung).

- Die Babyhüfte verknöchert optimal in breiter Position

- Der Moro-Reflex - das plötzliche, körperliche Hochschrecken, wenn Kinder abgelegt werden

- Der Palma-Reflex - die krallenden Hände, die sich gerne in der Körperbehaarung unserer Ur-Ahnen festhalten würden

- Der abgeflachte Hinterkopf bei "Viel-Liegern", der für langes Liegen einfach zu weich ist.


Aber warum wehren sich manche Babys so gegen das Tragen??

 

1. Falsches Timing (Hunger, müde, kalt, kein Bock...whatever)

Versuch es später noch einmal, morgen früh, an einem anderen Tag oder nächste Woche... Manchmal ist es einfach nur das falsche Timing.

2. Was der Bauer nicht kennt...

Wer erst mit 3 oder 4 Monaten anfängt zu tragen, braucht tatsächlich manchmal erst eine kleine "Wieder-Gewöhnung". Neugeborene, die bald nach der Geburt aufrecht und körpernah getragen werden, brauchen sich quasi gar nicht entwöhnen von der Enge aus dem Mutterleib.

3. Pipi oder Kacka

Ich sage: das ist der häufigste Grund, warum Kinder nicht getragen werden wollen!

Dein Baby ist von Natur aus freundlich und möchte dich nicht anpullern. Dass es eine Windel trägt, weiß dein Kind doch nicht. 

4. Unsicherheit der Eltern

Ich sage es nicht gerne, da es manche Eltern tatsächlich zusätzlich verunsichert. Aber wenn dein Kind merkt, dass dein Herzschlag sehr schnell schlägt, du schwitzt und schnell atmest, was denkt es dann? Dass Gefahr droht. In einigen Fällen überträgt sich die Nervosität der Eltern also auf das Baby und es schreit stark beim Einbinden, weil es mit der Situation überfordert ist.

5. Schmerzhafte Blockaden

Durch einen unnatürlichen Geburtsverlauf oder komplizierte Lagen im Bauch der Mutter entwickeln eine Vielzahl von Kindern schmerzhafte Blockaden, bevorzugt im oberen Wirbelsäulenbereich. Wenn dein Kind also intensiv und schmerzhaft schreit beim Tragen, empfehle ich dir einen Besuch bei speziellen Ostheopathen (siehe mein Netzwerk). 

6. Es ist nur eine Phase...

Ich habe es schon oft beobachtet, dass manche Kinder in bestimmten Altersphasen nicht getragen werden wollen, weil die eigene Mobilität gerade wichtiger empfunden wird. Ein oder zwei Monate später kann das wieder ganz anders aussehen. Probiere es aus! 



Dein Ansporn  f-ü-r' s  Tragen

Ok, angenommen, ich habe ein Schreikind, was schmerzhafte Blockaden im oberen Nackenbereich hat. Das Einbinden tut weh, mein Baby schreit wie am Spieß (ich bekomme Schweißausbrüche), aber im Kinderwagen ist es plötzlich ruhig. Endlich Ruhe!

Auch das gibt es - Kinder, die offenbar eher den Kinderwagen wählen als das Tragetuch. Ich verstehe, dass für viele Mütter die Wahl daraufhin klar und nicht mehr diskutierbar ist. Aber ein Blick hinter die Kulissen lohnt sich!

 

Kein Kind ist FÜR den Kinderwagen geboren worden! 

Jedes Kind fordert sich seine Körpernähe ein - die einen mehr, die anderen weniger. 

 

Es gibt jedoch wirklich gute Gründe, die FÜR das Tragen sprechen. Als wichtigste Vorteile vom Tragen hebe ich gerne die psychologischen, seelischen und gesundheitlichen Faktoren für dein Baby hervor. Für viele Menschen ist aber auch die wiedergewonnene Flexibilität und Mobilität ein Argument. Einen tollen Artikel mit den größten Vorteilen hat Hebammenwissen für euch zusammengeschrieben.

Ich will doch aber tragen!

Vielleicht bist du trotzdem unsicher, ob Tragen etwas für euch ist - entweder, weil du die Signale deines Kindes nicht richtig verstehst oder weil du mit dem Handling des Tragetuches /der Tragehilfe nicht zurecht kommst. 

Dann - und anders kannst du es nicht von mir erwarten - lege ich dir wärmstens eine Trageberatung ans Herz! 


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